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Imkerinnen

Die „Plattform Imkerinnen Österreich“ unterstützt das „Jahr der Nachhaltigkeit in der Imkerei“.


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„2013 – das Jahr der Nachhaltigkeit in der Imkerei“


Mariazeller Bienensilvester® war die Auftaktveranstaltung für das Jahr der Nachhaltigkeit in der Imkerei 2013 und es sollen gerade im heurigen Jahr schwerpunktmäßig verschiedenste Aspekte der Nachhaltigkeit aufgezeigt und beleuchtet werden.

Allen Definitionen von Nachhaltigkeit gemeinsam ist der schonende und nicht schädigende Umgang mit Ressourcen zur Erhaltung der lebenserhaltenden Ökosysteme für Nachfolgegenerationen. Die Nachhaltigkeit inkludiert in ihrer Komplexität und Definitionsbreite somit immer ein Weiterdenken und zukunftsorientiertes Handeln unter absoluter Bedachtsamkeit auf das gegenwärtig Vorhandene.

Im Bereich der Imkerei ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Gebot der Stunde und leeres Schlagwort sondern ein unerlässlicher Baustein für den Erhalt einer vielfältigen Flora und Fauna. Allein die Tatsache, dass rund 80% aller Kultur – und Nutzpflanzen auf die Bestäubung unserer Honigbiene angewiesen sind, zeigt die Wichtigkeit dieser Insekten nicht nur für die Landwirtschaft sondern das gesamte ökologische Gleichgewicht und somit unseren Lebensraum. Es erbringen so die Imker und Imkerinnen für die Gesamtgesellschaft eine lebens- und vor allem überlebenswichtige Leistung. Biodiversität, Regionalität in all ihren Facetten und Vielfalt schließen immer auch unsere Biene mit ein und sind ohne Bienen faktisch nicht möglich.

Nachhaltigkeit in der Imkerei und im Bezug auf das Wunderwesen Biene bedeutet für mich, dass der ImkerInnen, unabhängig von der Betriebsgröße und der Betriebsart , bereit sind, sich auf das Wesen Biene einzulassen und es hat dementsprechend eine möglichst bienengerechte Betriebsweise unter unbedingter Berücksichtigung der Biologie der Biene für mich stets oberste Priorität. Denn erfolgreiche Imkerei ist nur möglich, wenn stets die Bienen an erster Stelle stehen und wir bereit sind dem Weg zu folgen den die Bienen uns vorgeben – zuerst die Biene und dann der Imker oder die Imkerin. Ich bin der festen Überzeugung, dass jede Vergewaltigung des Biens schlussendlich in einem Mißerfolg endet. Es gibt in der Imkerei aufgrund der untrennbaren Koppelung unserer Bienen an die Natur,-Wetter- und Umweltvorgaben keine fixen Rezepte und keinen festgefahrenen Rhythmus und wir müssen daher stets flexibel bleiben, lernen nie aus und müssen uns der Herausforderung stellen, uns alljährlich an veränderte und vor allem veränderbare Umwelt- und Außenbedingungen anpassen zu müssen. Beobachtung und Sensibilität im Umgang mit diesem faszinierenden Insekt ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Erfolg in der Imkerei wird somit sehr wesentlich von drei Faktoren beeinflusst: der Umwelt , den Eigenschaften und Qualitäten der Biene und der Betriebsweise, dem Tun und Können des Imkers oder der Imkerin.

Während die Umwelt und das Bienenstand-Umfeld meist nicht vom Imker oder der Imkerin unmittelbar beeinflusst werden können (es sei denn es besteht die Möglichkeit einer Standortveränderung durch Bienenwanderung), liegen die Wahl der Biene und vor allem der Umgang, die Betriebsweise mit der Biene sehr wohl in der Hand der ImkerInnen und es orientiert sich die nachhaltige Imkerei immer an unserer Biene und ihren über Jahrtausenden erworbenen und bewährten Lebenserfordernissen. „Weniger ist mehr“ ist die absolut berechtigte Grunddoktrin und Überbetitelung all unserer imkerlichen Eingriffe und Tätigkeiten. Denn jede unnötige Störung des Organismus Biens z.Bsp. durch wöchentliches Totalzerlegen des Bienenvolkes indem alle Waben entnommen und die Königin gesucht wird, bedeutet einen Massiveingriff in die naturgegebene Harmonie des Bienenvolkes . Entscheidend ist, dass wir einen für Bien und Mensch gangbaren Kompromiss finden und hier vor allem den Erfordernissen des Bienenvolkes Rechnung tragen.
Das Fundament einer nachhaltigen Imkerei ist stets die Bienengesundheit. Denn nur gesunde Bienen sind in der Lage all die überlebenswichtigen Grundbedürfnisse eines Bienenvolkes zu erfüllen. Jeglicher Einsatz von Heilmitteln, sei es prophylaktisch also vorbeugend oder heilend ist abzulehen, da so jede Aussage über die Widerstandskraft eines Volkes nicht der Realität entspricht. Die leider notwendige Behandlung gegen die als Folge unverantwortlicher wissenschaftlicher Versuche eingeschleppten Varroamilbe müssen wir zur Kenntnis nehmen um unseren europäischen Bienen das Überleben zu sichern.

Wichtigster Indikator für die Vitalität und somit die Leistungsfähigkeit eines Bienenvolkes ist stets die erbrachte Honigmenge. Denn wenn der Honigertrag stimmt, stimmen meist auch alle anderen Faktoren. Das heißt, ein Bienenvolk, das kränkelt, dahin schwächelt und somit nicht widerstandsfähig gegenüber Krankheitserregern ist , nicht ausreichend Abwehrkräfte mobilisiert indem es eifrigst Propolis sammelt und auch zweckentsprechend verwendet, nicht umweltangepasst auf Wettervorgaben durch Einschränken der Bruttätigkeit reagiert, wird nie in der Honigleistung entsprechen. Grundvoraussetzung ist jedoch immer, dass wir als Nutznießer unserer Bienen , stets dafür sorgen, dass der Futtervorrat auch in schlechten Trachtjahren den Bienenbedürfnissen entspricht und die Bienen niemals hungern müssen. Denn wie bei jedem Lebewesen bewirkt auch bei den Bienen Futtermangel eine eklatant herabgesetzte Widerstandskraft und somit eine von uns ursächlich zu verantwortende Krankheitsanfälligkeit. Dementsprechend ist gerade im Sinne der Nachhaltigkeit die Belassung des eigenen Honigs als Winterfutter jedenfalls der Bienengesundheit förderlich. Unsere Bienen sammeln den Honig ja in erster Linie für sich selbst als Winterzehrung und Heizstoff um bestens versorgt die kargen Monate schadlos zu überstehen. Zu beachten ist allerdings, dass eine problemlose Überwinterung nur mit und auf Blütenhonigvorräten möglich ist, da Waldhonig den Bienendarm belastet und in Gegenden mit langen witterungs- und jahreszeitlich bedingten Flugunmöglichkeiten den Bienen mehr schadet, denn nützt. Beachtlich ist in diesem Zusammenhang auch die Beute, die Bienenbehausung und es ist der Bienenstock aus Holz nach wie vor das „Bienenhaus“ der ersten Wahl, denn unsere Bienen reagieren immer und vor allem instinktiv richtig auf Umwelt insbesonders Wettervorgaben, vorausgesetzt man bietet ihnen das entsprechende Zuhause d.h. eine naturnahe Beute, die den direkten Kontakt mit der Umwelt zulässt. Im Sinne der Wahrung der Volksharmonie ist bei den Jahresarbeiten des Imkers jede Störung des Organismus Biens so gering wie nur möglich zu halten und gerade im Sinne der Wahrung der Volksharmonie jeder unnötige Eingriff ins Bienenvolk zu unterlassen. Ein Blick aufs Flugloch und in den hohen Boden, das Bodenbrett sagt viel über den Zustand des Volkes aus. Wenige, dafür zielorientierte und vor allem bienengerechte Eingriffe während des Bienenjahres fördern das Wohl unserer Bienen und helfen unsere Beobachtungs-Sensorik im Umgang mit diesen faszinierenden Insekten zu schärfen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns glücklich schätzen können mit unserer Biene eine für uns einträgliche Symbiose eingehen zu dürfen und es liegt daher an uns dieses Geschenk sinnvoll und vor allem verantwortungsbewusst zu nützen.

Heidrun Singer
Bienenzucht- und Lehrstation
CARNICA SINGER
A-3251 Purgstall an der Erlauf
A-3224 Mitterbach am Erlaufsee
Tel./Fax: 0043 7489/2276
E-Mail: carnica.singer@utanet.at
www.carnica-singer.at
www.imkerinnen.at















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